Biel • Basecamp-Station (Schweiz)
Zwischenstation auf Exil 02 – Schutzraum und kurze Stabilisierung
Rückkehr aus dem ersten Exil Ende August nach Graz: Kaum Zeit zum Ankommen, Atelier chaotisch, Zeichnen im Park, aber kein wirklicher Arbeitsfluss. Im November Einladung von Marc: zwei Wochen Unterkunft in Biel und dazu der Kauf eines Bildes – eine kurzfristige Rettung.
Du reist mit One-Way-Ticket an, begleitet von Unsicherheit. Beide Seiten vorsichtig, fremde Gewohnheiten, vorsichtiges Zusammenfinden im Alltag. Du hilfst im Haushalt, kochst, putzt, organisierst dich nach seinen Regeln und versuchst, deinen Platz zu finden. Gleichzeitig entstehen Gespräche, Spaziergänge im Wald, langsames Vertrauen.
Biel zeigt sich als ruhiger, leistbarer Ort mit künstlerischem Einschlag. Spaziergänge am See, Gedanken an Jean-Jacques Rousseau und seine einsamen Wanderungen. Kleine Inseln, ruhige Wege, ein Gefühl des Durchatmens nach Monaten unterwegs.
Die Tage füllen sich mit Ausflügen und Besuchen von Kunstorten: Fondation Beyeler bei Basel – große Meisterwerke, farbenprächtige Ausstellungen, sonnengefluteter Herbsttag. Danach Fahrt nach Zürich: Geburtstagsessen mit Familie und Freunden, teures Buffet, Gespräche über Luxusgegenstände, alte Bekanntschaften tauchen wieder auf, Erinnerung an frühere Lebensabschnitte. Alles wirkt surreal im Kontrast zu deinem eigenen Überlebensmodus.
In Bern dann Kunsthalle Bern: Shamsut Tan-Ausstellung, die du bereits Monate zuvor im Blick hattest. Die Realität dieser Vision, die sich endlich materialisiert, zeigt, wie Ideen, die früh auftauchen, später in der Welt sichtbar werden – ein wiederkehrendes Muster, wie zuvor bei El Greco in Toledo.
Weitere Tage in Biel: Spaziergänge, kleine Routinen, Nachmittage am See, ruhige Momente zwischen Alltag, Kunst und Austausch. Biel wird so zum Schutzraum, zum Durchatmen, bevor die Reise weiter nach Paris und später Antwerpen geht. Ein Ort des Übergangs, der Stabilität bietet, aber die Exil-Dynamik nicht unterbricht.
Rückblickend verbinden sich diese zwei Wochen zu einem intensiven Zwischenkapitel: Kunst, Begegnungen, persönliche Unsicherheiten und kurze Stabilisierung, alles eingebettet in den Herbst von Biel – ein Basecamp, bevor das unstete Exil weitergeht.