Der Bodyguard entsteht
Arriving in Hamburg with heavy luggage and little orientation, I followed a clear inner mission: to reconnect with meaningful places, close unfinished circles, and navigate nights without a safe space.
Zwischen Vision und Überleben
Ankunft in Hamburg mit schwerem Gepäck, wenig Geld und keiner klaren Richtung. Bahnhof, Kälte, Schlafmangel, zu viele Menschen und gleichzeitig das Gefühl, hier etwas suchen zu müssen.
Meine Wege führen nicht auf die touristische Seite der Reeperbahn, sondern zu Orten mit persönlicher Bedeutung. Zur ehemaligen Location aus Soul Kitchen von Fatih Akin, zu Industrieflächen und Nachtkneipen, schließlich auch in den Zum Goldenen Handschuh.
In Wilhelmsburg merke ich, dass sich ein Kreis schließt: Jahre zuvor hatte ich die Vision eines offenen Kunstraums in verlassenen Gebäuden. 2022 bekam ich in Graz selbst so einen Ort. Hamburg erinnert mich daran, wo diese Idee entstanden ist.
Überleben und Nächte
Gleichzeitig geht es ums Überleben. Nächte in U-Bahnen, Kneipen oder Wartehallen. Eine Woche Unterkunft im A&O Hostel Hamburg, dann wieder auf der Straße. Begegnungen mit Menschen, die helfen und zugleich gefährlich werden. Zeichnungen entstehen zwischen all dem, sogar nachts in Bars wie dem Silbersack oder am Tresen des Handschuhs, wo Fremde plötzlich mitzeichnen und Gespräche beginnen.
Hostel & Polizei
Nach wenigen Tagen eskaliert die Situation. Zwei Männer geraten in Streit, die Polizei kommt, Personalien werden kontrolliert, und wir müssen alle das Hostel verlassen. Wieder stehe ich mit Gepäck und ohne sicheren Schlafplatz auf der Straße, mitten im Winter.
Die Tafel
Besonders hart sind die Tage bei der Die Tafel. Warteschlangen voller Menschen am Ende ihrer Kräfte, Alkohol, Aggression, beinahe Schlägereien. Ich war dort mehrere Male, traf auf Ex-Knackies, die die Essensausgabe bewachten, stockbesoffene Männer. Es gab Konflikte zwischen Ukrainern und Russen, die Leute gingen aggressiv auf mich zu – ich lernte sofort, Grenzen zu setzen, mich zu verteidigen. Niemand hatte das Recht, mich anzufassen oder herabzusetzen. Hamburg wurde so zu meiner Bodyguard-Schule.
Begegnungen & Zeichnungen
Zwischen diesen Extremen entstehen Momente von Kunst und Verbindung: Zeichnungen im Goldenen Handschuh, am Tresen oder im Silbersack. Fremde Menschen zeichnen mit, Gespräche entstehen. Ich lerne, mich abzugrenzen, aber auch, offen zu bleiben für Begegnungen. Die Nächte sind hart, die Umgebung intensiv, aber sie formen Stärke und Selbstschutz.
Rückblick & Weiterreise
Rückblickend wird klar: Hamburg war meine Bodyguard-Schule. Hier habe ich gelernt, auf mich selbst aufzupassen. Die Stadt bleibt rau, kalt und intensiv. Von hier geht es weiter nach Berlin, mit neuen Bildern im Kopf und einer härteren Haut.
