Exil 02 – Paris
Ankunft aus Bern nach Paris. Marc hatte das Airbnb organisiert, und zufällig landest du bei einem offenen Künstlerpaar, das dir sofort Raum gibt anzukommen. Nebenan weitere Maler, Gespräche, Zeichnungen, Gras, Austausch. Zum ersten Mal fühlt sich deine eigene Arbeit geschlossen und tragfähig an, wie ein innerer Klick: Jetzt kann produziert werden.
Deine Tage sind geprägt von langen Wegen durch die Stadt, vor allem durch die Galerien im Le Marais. Du gehst überall hinein, beobachtest, lernst, aber merkst auch, wie fremd dir diese White-Cube-Welt noch ist. Gleichzeitig saugst du Kunstgeschichte auf, mit Besuchen im Louvre, im Kopf immer wieder die Linien von Pablo Picasso, Vincent van Gogh und dem alten Magnet Venedigs mit Tintoretto, die alle auf ihre Weise ihren eigenen Weg gegen Widerstände fanden.
Du streifst durch das raue, lebendige Nordparis mit Industriehallen, migrantischen Vierteln, improvisierten Essensständen und permanentem Lärm. Polizei fährt vor, Stände verschwinden, Leben geht weiter. Gleichzeitig entdeckst du riesige Comic- und Mangabuchhandlungen und findest Serien wie Biomega und Call of the Night, die plötzlich Teil deines Alltags und sogar deines Französischlernens werden.
Finanziell knapp, ernährst du dich oft von Brot und Käse, läufst stundenlang durch Kälte und Luxusfassaden, zwischen High Fashion und eigener Überlebensroutine. Trotzdem entsteht dort etwas Entscheidendes: das Gefühl, malerisch angekommen zu sein.