Ich merke gerade wieder, worum es mir eigentlich geht. Wenn ich mir manche aktuell erfolgreichen Positionen anschaue, wirkt vieles auf mich eher wie Grafikdesign als wie Kunst. Das ist kein Urteil über Handwerk oder Erfolg. Es beschreibt nur mein eigenes Gefühl beim Betrachten.
Manchmal scheint es, als ließe sich vieles heute leicht konsumierbar herstellen und vermarkten. Und oft funktioniert das auch. Sichtbarkeit ist allgegenwärtig geworden. Erfolg entsteht nicht mehr nur aus jahrelanger stiller Arbeit, sondern auch aus Präsenz, Strategie und Marktmechanismen. Ohne Internet hätte ich viele dieser Künstlerinnen und Künstler nie kennengelernt. Lokal funktionieren solche Figuren schnell als Helden, weil Städte ihre eigenen Aushängeschilder brauchen.
Meine Schwierigkeit liegt woanders. Für mich braucht Kunst Risiko. Eine Arbeit muss etwas wagen, etwas aufs Spiel setzen, auch scheitern dürfen. Wenn Bilder sich zu ähnlich sehen, wenn sie vor allem gefallen wollen, verliere ich den Zugang. Dann entsteht bei mir sogar ein körperliches Gefühl von Abwehr. Ein Ekel, den ich nicht einmal genau erklären kann. Und das ist seltsam, weil meine eigenen Arbeiten manchmal ebenfalls unangenehm wirken können. Aber dort entsteht das Unangenehme aus einer inneren Notwendigkeit, nicht aus einem Effekt.
Vielleicht liegt der Konflikt darin, dass Kunst und Markt unterschiedliche Logiken haben. Der Markt verlangt Wiedererkennbarkeit, Wiederholbarkeit, Sicherheit. Kunst hingegen entsteht oft aus Unsicherheit, aus Fragen, aus innerem Druck. Ich verstehe nicht immer, warum andere malen, und vielleicht verstehen andere nicht, warum ich es tue. Für mich geht es nicht um Ruhm oder Erfolg. Es geht darum, weiterarbeiten zu können. Permanent arbeiten zu können. Bis zur völligen Erschöpfung, wenn nötig. Arbeit ist mein eigentlicher Lebensraum.
Gleichzeitig leben wir in einer Zeit der Überproduktion. In der Kunst, in der Musik, im Film. Alles wird sichtbar, alles wird geteilt, alles konkurriert gleichzeitig um Aufmerksamkeit. Qualität geht in der Masse oft unter. Vielleicht war das früher auch so, nur sah man es nicht. Heute sehen wir alles, und das macht es schwer, das Eigentliche noch zu finden.
Ich selbst möchte am liebsten jedes Bild behalten, das ich male. Aber das geht nicht. Arbeiten müssen gehen, damit neue entstehen können. Das gehört dazu, auch wenn es schmerzt.
Und während all diese Gedanken kreisen, bleiben ganz einfache Fragen offen. Wie erkläre ich meiner Mutter, wo ich gerade stehe? Was sage ich nach Wochen der Funkstille aus Mexiko? Warum fühlt sich die eigene Familie manchmal fremd an? Vielleicht liegt die Distanz nicht nur bei ihnen, sondern auch bei mir. Vielleicht sprechen wir einfach unterschiedliche Sprachen, obwohl wir dieselben Worte benutzen.
Alles ist kompliziert im Moment. Aber eines bleibt klar: Ich kann meinen Weg nicht anpassen, nur um leichter durchzukommen. Ich kann nur weiterarbeiten und hoffen, dass es reicht, um irgendwie weiterzumachen.